Vitamin D

Fachinformation zur bedarfsgerechten Ernährung von Pferden

Grundlagen und besondere Situation des Pferdes

Vitamin D ist ein fettlöslicher Regulator des Calcium- und Phosphorhaushalts. Zu den relevanten Formen gehören Vitamin D2 aus pflanzlichen beziehungsweise pilzlichen Quellen und Vitamin D3 aus tierischen Quellen oder Präparaten. Beim Menschen spielt die Bildung von Vitamin D3 in der Haut unter UV-B-Licht eine große Rolle. Für Pferde ist diese Fähigkeit deutlich weniger gut belegt und vermutlich begrenzt; der Vitamin-D-Stoffwechsel unterscheidet sich in wichtigen Punkten von dem anderer Tierarten. Daher dürfen Empfehlungen aus der Humanmedizin nicht ungeprüft auf Pferde übertragen werden. Entscheidend ist die tatsächliche Gesamtversorgung und nicht allein die tägliche Sonnenscheindauer.

Stoffwechsel: Leber, Niere und aktive Form

Nach der Aufnahme wird Vitamin D zunächst in der Leber zu 25-Hydroxyvitamin D umgewandelt. Die Niere bildet daraus unter hormoneller Kontrolle die biologisch aktive Form 1,25-Dihydroxyvitamin D. Diese beeinflusst unter anderem den Mineralstofftransport im Darm und die Regulation des Knochenstoffwechsels. Die Steuerung erfolgt im Zusammenspiel mit Parathormon, Calcium und Phosphor. Auffällig ist, dass Pferde in Studien andere zirkulierende Konzentrationen und Regulationsmuster zeigen können als Menschen. Deshalb sind humanmedizinische Referenzbereiche und Schwellenwerte für einen angeblichen Vitamin-D-Mangel nicht als Maßstab für Pferde geeignet.

Funktion im Calcium-Phosphor-Haushalt

Vitamin D unterstützt die Regulation der Verfügbarkeit von Calcium und Phosphor. Beide Mineralstoffe sind für Knochen und Zähne erforderlich, erfüllen aber auch zahlreiche Aufgaben in Zellen und Geweben. Eine bedarfsgerechte Vitamin-D-Versorgung kann eine falsch zusammengesetzte Mineralstoffration nicht ausgleichen. Umgekehrt lässt sich aus einem ausgewogenen Calcium-Phosphor-Verhältnis nicht automatisch auf die Vitamin-D-Versorgung schließen. Bei Skelettproblemen müssen Wachstum, Bewegung, Energiezufuhr, Mineralstoffgehalte und weitere Ursachen berücksichtigt werden. Eine isolierte Vitamin-D-Ergänzung ist keine allgemein geeignete Behandlung für Lahmheit, Knochenveränderungen oder unspezifische Leistungsprobleme.

Futterquellen und Weide

Sonnengetrocknetes Heu kann Vitamin D2 enthalten, weil UV-Licht bestimmte Vorstufen in Pflanzenmaterial umwandelt. Die Gehalte schwanken mit Pflanzenbestand, Trocknungsverfahren, Witterung und Lagerung. Frisches Gras, Heu und angereicherte Mischfutter liefern deshalb nicht zwangsläufig vergleichbare Mengen. Viele kommerzielle Mineralfutter enthalten zugesetztes Vitamin D3. Die Menge ist der Deklaration zu entnehmen und muss auf die tatsächliche tägliche Futtergabe umgerechnet werden. Bei Rationen mit unterschiedlichen Futtermitteln ist eine Bilanz erforderlich; der bloße Hinweis „Weidegang vorhanden“ oder „Heu wird gefüttert“ erlaubt keine zuverlässige quantitative Aussage.

Bedarf und Unsicherheit der Empfehlungen

Die wissenschaftliche Datenlage zum exakten Vitamin-D-Bedarf des Pferdes ist begrenzter als bei vielen anderen Nährstoffen. Tabellenwerke und Fütterungsempfehlungen arbeiten deshalb mit Schätzwerten, Sicherheitszuschlägen und teils unterschiedlichen Annahmen. Die Zahlen können sich auf Internationale Einheiten je Tag, auf Kilogramm Trockenmasse oder auf Körpergewicht beziehen. Solche Angaben dürfen nicht ohne Umrechnung verglichen werden. Bei einer praktischen Rationsbewertung sind Lebensphase, Wachstum, Trächtigkeit und alle Vitamin-D-Quellen einzubeziehen. Höhere Leistungen oder eine reine Stallhaltung rechtfertigen nicht automatisch hohe Zusatzgaben, solange kein tatsächlicher Bedarf festgestellt wurde.

Blutuntersuchungen richtig einordnen

Zur Beurteilung der Vitamin-D-Versorgung wird häufig 25-Hydroxyvitamin D diskutiert. Bei Pferden ist die Interpretation jedoch schwierig, weil Untersuchungsmethoden, die Anteile von D2 und D3 und die Referenzbereiche nicht einheitlich sind. Ein Laborwert unterhalb humanmedizinischer Grenzwerte ist beim Pferd kein Beweis einer krankhaften Unterversorgung. Ebenso zeigt eine einzelne Messung nicht zwingend den gesamten Mineralstoffstatus an. Wenn eine klinische Fragestellung besteht, gehören Fütterungsanamnese, Calcium- und Phosphorstatus, gegebenenfalls Nierenwerte und die übrigen Befunde dazu. Eine routinemäßige hochdosierte Ergänzung allein aufgrund eines nicht validierten Laborgrenzwertes ist nicht sinnvoll.

Mögliche Unterversorgung

Ein ausgeprägter Vitamin-D-Mangel kann grundsätzlich die Mineralstoffregulation und Knochenmineralisierung beeinträchtigen. Für das Pferd sind eindeutige klinische Mangelbilder unter üblichen Haltungs- und Fütterungsbedingungen jedoch nicht so gut dokumentiert wie bei manchen anderen Tierarten. Bei Skelettveränderungen von Jungpferden kommen zahlreiche weitere Faktoren infrage, darunter Energieüberschuss, Mineralstoffungleichgewichte, genetische Einflüsse und Belastung. Eine vermutete Unterversorgung muss daher sorgfältig von anderen Ursachen abgegrenzt werden. Der Nachweis einer geringen Vitamin-D-Konzentration allein begründet weder die Diagnose einer spezifischen Erkrankung noch eine bestimmte therapeutische Dosierung.

Überversorgung und Vergiftungsgefahr

Vitamin D kann bei übermäßiger Zufuhr toxisch wirken. Ein Übermaß kann die Calciumregulation stören und zu erhöhten Calciumkonzentrationen sowie krankhaften Verkalkungen von Weichteilen und Organen führen. Betroffen sein können insbesondere Nieren, Blutgefäße und andere Gewebe. Die Gefahr entsteht vor allem bei falscher Dosierung konzentrierter Präparate, Verwechslung von Einheiten oder Kombination mehrerer stark angereicherter Produkte. Da Vitamin D fettlöslich ist und seine Wirkungen komplex reguliert werden, ist eine großzügige Supplementierung nach dem Prinzip „viel hilft viel“ besonders problematisch. Bei Verdacht auf eine Überdosierung sind Fütterung und Tierarztpraxis unverzüglich einzubeziehen.

Jungpferde und Zuchtstuten

Wachstum und Trächtigkeit stellen besondere Anforderungen an eine ausgewogene Nährstoffversorgung. Dabei müssen Vitamin D, Calcium, Phosphor, Energie und Protein gemeinsam betrachtet werden. Eine Überversorgung einzelner Komponenten kann ebenso ungünstig sein wie ein Mangel. Für Zuchtstuten ist die Versorgung des Fohlens nicht allein von einem einzelnen Vitamin abhängig. Bei Jungpferden können orthopädische Entwicklungsstörungen unterschiedliche Ursachen haben, sodass eine isolierte Vitamin-D-Gabe keine allgemeine Präventionsmaßnahme darstellt. Spezielle Zucht- und Aufzuchtfutter sind häufig bereits mit Vitamin D angereichert; zusätzliche Präparate sollten nur nach Prüfung der gesamten täglichen Zufuhr eingesetzt werden.

Einfluss von Sonnenlicht und Haltung

Die Vorstellung, Pferde müssten wegen Stallhaltung grundsätzlich Vitamin D wie Menschen ergänzen, ist wissenschaftlich nicht ausreichend begründet. Zwar beeinflusst Sonnenlicht die Entstehung von Vitamin D2 in sonnengetrocknetem Pflanzenmaterial, die körpereigene Bildung über die Pferdehaut scheint aber keine direkt vergleichbare Rolle wie beim Menschen zu spielen. Ein Pferd mit wenig Weidegang kann durch geeignetes Raufutter und ausgewogenes Ergänzungsfutter versorgt sein. Umgekehrt garantiert viel Auslauf keine ausgewogene Vitamin-D-Ration. Haltung ist für Bewegung, Sozialkontakt und Wohlbefinden wichtig; Vitamin-D-Empfehlungen müssen jedoch gesondert aus der Fütterung abgeleitet werden.

Rationskontrolle in der Praxis

Für die praktische Prüfung werden die tägliche Menge und Art des Raufutters sowie die Deklarationen von Kraft- und Mineralfuttern erfasst. Vitamin-D-Gehalte sind häufig in IE oder IU pro Kilogramm angegeben. Die Summe aus allen Produkten muss auf die tatsächlich verfütterten Mengen bezogen werden. Insbesondere die parallele Gabe eines mineralisierten Kraftfutters, eines Mineralfutters und eines Vitaminpräparats kann zu unbeabsichtigten Doppelversorgungen führen. Wo Bedarfsschätzungen unsicher sind, ist eine konservative, fachlich begründete Vorgehensweise angemessen. Hochdosierte Einzelpräparate gehören nicht zur Routineversorgung gesunder Pferde und sollten nur nach konkreter fachlicher Indikation verwendet werden.

Fazit

Vitamin D ist an der Regulation von Calcium, Phosphor und Knochenstoffwechsel beteiligt. Beim Pferd unterscheidet sich sein Stoffwechsel von dem des Menschen; insbesondere lassen sich menschliche Blutgrenzwerte und Sonnenlichtempfehlungen nicht unmittelbar übertragen. Sonnengetrocknetes Raufutter kann Vitamin D2 liefern, angereicherte Futtermittel enthalten häufig Vitamin D3. Die Bedarfsdaten sind begrenzt, während eine Überdosierung ernsthafte gesundheitliche Schäden verursachen kann. Daher stehen eine vollständige Rationsanalyse, eine sorgfältige Einheitenumrechnung und die Vermeidung unnötiger Mehrfachsupplementierungen im Vordergrund. Verdächtige klinische Befunde bedürfen einer tierärztlichen Abklärung.

Weiterführende Fachliteratur

National Research Council (NRC): Nutrient Requirements of Horses. 6th revised edition. National Academies Press, 2007.

Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE): Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Pferden. DLG-Verlag, 2014.

Merck Veterinary Manual: Nutrition of Horses; Vitamins and Minerals in Horses. https://www.merckvetmanual.com/

Hinweis: Die Angaben dienen der fachlichen Information und ersetzen weder eine individuelle Rationsberechnung noch eine tierärztliche Diagnose.

Datei