Magengeschwüre beim Pferd

Was hinter dem Begriff EGUS steckt

Das Equine Gastric Ulcer Syndrome (EGUS) umfasst unterschiedliche Erkrankungen der Magenschleimhaut. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Veränderungen der drüsenlosen Schleimhaut, als ESGD bezeichnet, und solchen der Drüsenschleimhaut, der EGGD. Diese Bereiche unterscheiden sich in Aufbau, Schutzmechanismen und Krankheitsentstehung. Deshalb kann aus dem bloßen Nachweis von Magengeschwüren noch nicht auf einen einheitlichen Auslöser oder eine einheitliche Behandlung geschlossen werden. Bei manchen Pferden treten Veränderungen beider Regionen gleichzeitig auf. Eine genaue Beschreibung von Ort, Ausdehnung und Erscheinungsbild ist deshalb mehr als eine Formalität: Sie ist die Grundlage für die Beurteilung der Befunde und die spätere Kontrolle des Behandlungserfolgs.

Der Magen als dauerhaft säurebildendes Organ

Pferde produzieren auch zwischen den Mahlzeiten Magensäure. Während die drüsenhaltige Schleimhaut im unteren Bereich unter anderem durch Schleim, Bikarbonat und eine geregelte Durchblutung geschützt wird, verfügt die drüsenlose Region über weniger ausgeprägte Schutzmechanismen. Sie ist gegenüber einem längeren Kontakt mit saurem Mageninhalt empfindlich. Regelmäßige Futteraufnahme und Speichelbildung beeinflussen die Bedingungen im Magen. Bei intensiver Bewegung kann der saure Inhalt stärker mit oberen Schleimhautregionen in Kontakt kommen. Das erklärt einen Teil des erhöhten Risikos bei intensiv trainierten Pferden, ohne dass jedes Sportpferd zwangsläufig erkranken müsste.

ESGD: Erkrankung der drüsenlosen Schleimhaut

Bei ESGD spielt die Einwirkung von Säure auf die empfindliche drüsenlose Schleimhaut eine zentrale Rolle. Längere Fresspausen, hohe Trainingsintensität und bestimmte Fütterungspraktiken werden als Risikofaktoren beschrieben. Die Schleimhaut kann zunächst oberflächlich verändert sein und später Erosionen oder tiefere Defekte entwickeln. Ein gastroskopischer Schweregrad beschreibt den sichtbaren Befund, sagt jedoch nicht automatisch voraus, wie deutlich ein Pferd Schmerzen oder Leistungsprobleme zeigt. Ebenso wenig lässt sich allein aus der Trainingsbelastung zuverlässig auf die Erkrankung schließen. Entscheidend ist die Untersuchung des einzelnen Tieres.

EGGD: andere Mechanismen, andere Fragen

Die Drüsenschleimhaut ist natürlicherweise stärker gegen Magensäure geschützt. Bei EGGD wird deshalb neben der Säureexposition insbesondere eine Störung der lokalen Schleimhautabwehr diskutiert. Belastung, Stressreaktionen und entzündliche Prozesse können eine Rolle spielen; die Ursachen sind jedoch weniger eindeutig geklärt als bei ESGD. Typische Veränderungen werden unter anderem im Bereich des Pylorus beobachtet. Das Erscheinungsbild kann sich deutlich von den eher erosiven Veränderungen der drüsenlosen Region unterscheiden. Aus diesem Grund ist es fachlich unzureichend, beide Formen in einem Artikel lediglich als identische „Säureschäden“ zu behandeln.

Welche Symptome möglich sind

Bei erwachsenen Pferden werden unter anderem mäkeliges Fressen, Gewichtsverlust, wiederkehrende leichte Koliksymptome, Leistungsabfall oder Verhaltensänderungen beobachtet. Auch Abwehr beim Gurten wird häufig mit Magengeschwüren in Verbindung gebracht. Diese Zeichen sind jedoch nicht spezifisch. Ein Pferd kann trotz ausgeprägter Veränderungen vergleichsweise unauffällig wirken, während ein anderes mit ähnlichen Beschwerden eine ganz andere Erkrankung hat. Bei Fohlen können schwerere Verläufe auftreten; dort gehören schlechtes Trinken, Zähneknirschen, Speicheln und Bauchschmerzen zu möglichen Warnzeichen. Die diagnostische Bewertung muss deshalb immer Alter, Vorgeschichte und andere mögliche Ursachen einbeziehen.

Gastroskopie als entscheidendes Verfahren

Die zuverlässigste Möglichkeit, Magengeschwüre zu erkennen und ihre Lokalisation zu bestimmen, ist die Gastroskopie. Dafür wird ein ausreichend langes Endoskop über die Nase in den Magen geführt. Vor der Untersuchung muss der Magen nach tierärztlicher Vorgabe vorbereitet sein, damit die Schleimhaut möglichst vollständig beurteilt werden kann. Der Tierarzt untersucht die drüsenlose Region ebenso wie die Drüsenschleimhaut und dokumentiert auffällige Areale. Ein normaler Blutwert oder eine unspezifische Verhaltensbeobachtung kann diese Untersuchung nicht ersetzen. Auch ein positiver Behandlungseffekt beweist nicht in jedem Fall, dass Magengeschwüre die ursprüngliche Ursache sämtlicher Beschwerden waren.

Welche Differenzialdiagnosen wichtig sind

Appetitveränderungen und Gewichtsverlust können ebenso durch Zahnprobleme, chronische Darmerkrankungen, Schmerzen im Bewegungsapparat oder unzureichende Fütterung entstehen. Wiederkehrende Kolik kann auf ganz andere Erkrankungen des Verdauungstrakts hinweisen. Gurtigkeit und Unwilligkeit beim Reiten verlangen auch eine Beurteilung von Sattel, Rücken und Verhalten. Ein sorgfältiger Vorbericht hilft, diese Möglichkeiten gegeneinander abzuwägen. Das Ziel besteht nicht darin, bei jeder unspezifischen Veränderung sofort ein Magengeschwür anzunehmen, sondern die plausiblen Ursachen systematisch zu prüfen und gegebenenfalls gezielt zu untersuchen.

Medikamentöse Behandlung

Die Therapie richtet sich nach der betroffenen Schleimhautregion und dem Schweregrad. Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol reduzieren die Magensäureproduktion und spielen besonders bei ESGD eine zentrale Rolle. Bei EGGD können andere oder zusätzliche Behandlungsstrategien erforderlich sein, beispielsweise ein Schleimhautschutz unter tierärztlicher Leitung. Nicht jedes frei angebotene Präparat besitzt einen nachgewiesenen Nutzen für die Heilung von Ulzera. Dosis, Dauer, Darreichungsform und die Frage einer Verlaufsgastroskopie sollten fachlich entschieden werden. Eigenmächtige Unterdosierung kann ebenso problematisch sein wie die wiederholte Behandlung ohne überprüfte Diagnose.

Fütterung und Management

Bei der langfristigen Betreuung sind eine kontinuierliche beziehungsweise ausreichend häufige Aufnahme geeigneten Raufutters, möglichst geringe längere Fresspausen und eine zum Bedarf passende Kraftfuttermenge bedeutsam. Größere Mengen leicht fermentierbarer Kohlenhydrate und sehr intensive Belastung bei leerem Magen können ungünstig sein. Gleichzeitig müssen Körperkondition und Stoffwechselerkrankungen berücksichtigt werden: Ein übergewichtiges Pferd kann nicht unbegrenzt energiereiches Futter erhalten. Veränderungen sollten daher in eine ausgewogene Gesamtration eingebettet werden. Auch Stallwechsel, Transport, Trainingsplanung und soziale Konflikte können Teil der individuellen Risikobetrachtung sein.

Verlauf und Kontrolle

Eine klinische Besserung ist erfreulich, entspricht aber nicht zwingend einer vollständigen Abheilung der Schleimhaut. Bei anhaltenden Beschwerden, komplexen Befunden oder Rückfällen kann eine erneute Gastroskopie helfen, den Behandlungserfolg zu bewerten. Die Prognose hängt von Lokalisation, Ausprägung und fortbestehenden Risikofaktoren ab. Gerade bei wiederholtem Auftreten sollte nicht allein die Medikation verlängert, sondern die Gesamtsituation erneut analysiert werden. Eine gute Dokumentation von Fressverhalten, Gewicht, Training, Haltung und Untersuchungsbefunden erleichtert die Zusammenarbeit mit der behandelnden Tierarztpraxis.

Weiterführende Fachliteratur

https://www.merckvetmanual.com/digestive-system/gastrointestinal-ulcers-in-large-animals/gastric-ulcers-in-horses

Besonderheiten bei Fohlen

Bei sehr jungen Fohlen ist die Magenschleimhaut noch in der Entwicklung. Ulzera können im Zusammenhang mit schweren Allgemeinerkrankungen auftreten und einen anderen Verlauf nehmen als bei erwachsenen Pferden. Warnzeichen sind neben Bauchschmerz auch Trinkschwäche, Zähneknirschen oder Speicheln. Besonders gefährlich sind tiefe Läsionen, die im Extremfall zu einer Perforation führen können. Bei solchen Anzeichen ist eine rasche tierärztliche Abklärung notwendig. Die Erfahrungen aus der Behandlung erwachsener Sportpferde lassen sich nicht unkritisch auf Neugeborene übertragen.

Warum Vorbeugung individuell bleibt

Ein einzelner Fütterungsplan kann weder ESGD noch EGGD bei jedem Pferd zuverlässig verhindern. So können Trainingsintensität, Transporte, Erkrankungen und individuelle Schleimhauteigenschaften unterschiedliche Bedeutung haben. Auch die Vorstellung, jedes auffällige Verhalten müsse unmittelbar mit dem Magen zusammenhängen, kann zu Fehldiagnosen führen. Sinnvoll ist eine systematische Betrachtung von Raufutteraufnahme, Tagesablauf, sozialer Situation, Belastung und bisherigen Befunden. Ziel ist nicht die Suche nach einer vermeintlich universellen Lösung, sondern die Verringerung tatsächlich vorhandener Risiken.

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